Was kostet eine App-Entwicklung in Deutschland? Eine Kalkulation ohne Marketingzahlen
Angebote für dieselbe App liegen regelmäßig zwischen 15.000 € und 120.000 € auseinander. Der Beitrag zerlegt die Kalkulation in ihre Bestandteile – und nennt die Fälle, in denen Sie gar keine App brauchen.
Burak Kaya · Gründer und technischer Leiter
Veröffentlicht am · aktualisiert am
Kurz beantwortet
Eine App für iOS und Android kostet in Deutschland zwischen 18.000 € und 80.000 €. Eine erste marktfähige Version (MVP) mit bis zu zehn Bildschirmen liegt bei 18.000 € bis 30.000 €, eine Geschäftsanwendung mit Offline-Modus und ERP‑Anbindung bei 34.000 € bis 80.000 €. Eine Progressive Web App als Alternative beginnt bei 9.500 €.
Inhalt · 6 Abschnitte
Wenn drei Agenturen für dieselbe App 18.000 €, 45.000 € und 120.000 € aufrufen, liegt das selten an der Gier. Es liegt daran, dass alle drei etwas anderes verstanden haben.
Dieser Beitrag zerlegt die Kalkulation so, dass Sie Angebote vergleichen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Cross-Platform-Entwicklung mit React Native halbiert die Kosten gegenüber zwei getrennten nativen Apps, weil eine Codebasis für iOS und Android genügt.
- Die reine Programmierung macht nur etwa 55 Prozent des Aufwands aus; Konzept, Design, Tests und Store-Veröffentlichung schlagen mit 45 Prozent zu Buche.
- Der Betrieb einer App kostet jährlich 15 bis 25 Prozent der Entwicklungskosten – Apple und Google erzwingen durch Plattform-Updates regelmäßige Anpassungen.
- Für Anwendungen ohne Kamera-, Bluetooth- oder Offline-Anforderung ist eine Progressive Web App meist die wirtschaftlichere Lösung.
- Apple verlangt 99 US‑Dollar jährlich für das Developer-Programm, Google einmalig 25 US‑Dollar.
Woraus sich der Preis zusammensetzt#
Ein typisches App-Projekt verteilt sich so:
| Phase | Anteil | Bei 30.000 € |
|---|---|---|
| Konzept und Anforderungen | 10 % | 3.000 € |
| Gestaltung und Prototyp | 15 % | 4.500 € |
| Entwicklung App | 40 % | 12.000 € |
| Entwicklung Server und Schnittstellen | 15 % | 4.500 € |
| Tests und Fehlerbehebung | 12 % | 3.600 € |
| Store-Veröffentlichung und Start | 8 % | 2.400 € |
Die reine Programmierung macht also gut die Hälfte aus. Wer ein Angebot bekommt, das fast ausschließlich aus Entwicklungsstunden besteht, sollte fragen, wo Konzept und Tests geblieben sind.
Nativ, Cross-Platform oder Web?#
Native Entwicklung#
Getrennte Apps mit Swift für iOS und Kotlin für Android. Beste mögliche Leistung, voller Zugriff auf Systemfunktionen – und praktisch doppelte Kosten, weil jede Funktion zweimal gebaut und zweimal getestet wird.
Sinnvoll bei: grafikintensiven Spielen, aufwändiger Kamera- oder Videoverarbeitung, tiefen Systemintegrationen wie eigenen Tastaturen oder Widgets mit Sonderverhalten.
Cross-Platform mit React Native#
Eine Codebasis, beide Plattformen. Zugriff auf Kamera, Push-Nachrichten, Bluetooth, Biometrie und Offline-Speicher über native Module. Für Nutzer ist der Unterschied zu einer nativen App in aller Regel nicht spürbar.
Sinnvoll bei: über 90 Prozent aller Geschäftsanwendungen. Instagram, Shopify und Discord setzen React Native in Teilen ein – die Technologie ist erwachsen.
Progressive Web App#
Eine Website, die sich installieren lässt, offline funktioniert und seit iOS 16.4 auch auf iPhones Push-Nachrichten senden kann. Keine Store-Gebühren, keine Review-Wartezeit, Updates sofort für alle.
Sinnvoll bei: Anwendungen ohne Bluetooth, ohne aufwändige Kameranutzung und ohne die Erwartung, im App Store gefunden zu werden.
Wir sprechen diese Option bei jedem Erstgespräch an. In etwa einem von vier Fällen ist sie die bessere Antwort – und spart dem Kunden die Hälfte des Budgets.
Die Kostentreiber, die man vorher kennen sollte#
Nutzerkonten#
Eine reine E‑Mail-Anmeldung ist schnell gebaut. „Anmelden mit Apple“ ist bei Apps mit Anmeldung über Google oder Facebook allerdings verpflichtend – sonst wird die App abgelehnt. Rechnen Sie je zusätzlichem Anmeldeweg mit 1.500 € bis 3.000 €.
Offline-Fähigkeit#
Der am meisten unterschätzte Punkt. „Die App soll auch ohne Netz funktionieren“ klingt nach einer Zeile Text, bedeutet aber: lokale Datenhaltung, Synchronisierungslogik und eine Strategie für den Fall, dass zwei Personen denselben Datensatz offline geändert haben. Rechnen Sie mit 4.000 € bis 12.000 €.
Zahlungen#
Digitale Güter müssen über die Store-Bezahlsysteme abgewickelt werden – Apple und Google behalten 15 bis 30 Prozent ein. Physische Waren und Dienstleistungen dürfen über Stripe oder PayPal laufen, ohne Beteiligung der Stores. Diese Unterscheidung entscheidet über Ihr Geschäftsmodell und gehört vor die Entwicklung, nicht danach.
Push-Nachrichten#
Technisch günstig (etwa 1.500 €). Teuer wird die Logik dahinter: Wer bekommt wann welche Nachricht, und wie verhindern Sie, dass Nutzer die App deinstallieren, weil sie sich belästigt fühlen?
Laufende Kosten#
| Posten | Jährlich |
|---|---|
| Apple Developer Programm | 99 USD |
| Google Play (einmalig) | 25 USD |
| Server und Datenbank | 600–3.000 € |
| Absturzüberwachung | 0–600 € |
| Pflege und Plattform-Updates | 15–25 % der Entwicklungskosten |
Der letzte Punkt überrascht die meisten. Apple veröffentlicht jährlich eine neue iOS-Version mit neuen Anforderungen; Google verschärft regelmäßig die Vorgaben zu Berechtigungen und Datenschutzangaben. Eine App, die drei Jahre nicht angefasst wird, fliegt irgendwann aus dem Store.
Wann sich eine App nicht lohnt#
Seien Sie skeptisch, wenn einer dieser Sätze auf Ihr Vorhaben zutrifft:
- „Wir brauchen eine App, weil die Konkurrenz eine hat.“
- „Die App soll im Wesentlichen zeigen, was auf unserer Website steht.“
- „Die Nutzer öffnen sie etwa einmal im Quartal.“
- „Wir haben noch kein Budget für Marketing eingeplant.“
Der letzte Punkt ist der härteste: Eine App, die niemand findet, ist teurer Stillstand. Die Store-Suche allein bringt für neue Apps praktisch keine Installationen.
Wann sich eine App klar rechnet#
- Nutzer arbeiten mehrmals pro Woche damit.
- Es werden Gerätefunktionen gebraucht: Kamera, Bluetooth, GPS, Biometrie.
- Die Anwendung muss offline funktionieren – etwa im Außendienst oder auf der Baustelle.
- Push-Nachrichten sind Teil des Prozesses, nicht Werbung.
- Sie haben bereits Nutzer, die Sie erreichen können.
Unsere ehrlichste Empfehlung: Wenn Sie zwischen App und Website schwanken, bauen Sie zuerst die Website richtig. Eine App lässt sich später ergänzen. Umgekehrt haben wir es noch nie erlebt.
Über den Autor
Burak Kaya
Gründer und technischer Leiter
Entwickelt seit über zehn Jahren Webanwendungen und Unternehmenssoftware. Schwerpunkt: Systeme, die im Mittelstand tatsächlich benutzt werden.
- Next.js und React
- TypeScript
- PostgreSQL und Datenmodellierung
- ERP- und Schnittstellenanbindung
- Festpreiskalkulation
- Technisches SEO
Passende Leistung
React Native und Flutter – native Qualität, ohne zwei Entwicklerteams zu bezahlen.
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ab 18.000 €
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Häufige Fragen
Was Leser zu diesem Thema fragen
Die Fragen, die uns zu diesem Beitrag am häufigsten gestellt werden.
Was kostet eine einfache App?
Eine erste marktfähige Version mit Registrierung, bis zu zehn Bildschirmen und einer Serveranbindung kostet 18.000 € bis 30.000 € und ist in 10 bis 14 Wochen fertig. Darunter wird es unseriös: Unter 15.000 € lassen sich zwei Plattformen, Tests und Store-Veröffentlichung nicht sauber abdecken.
Ist eine App teurer als eine Website?
Ja, in der Regel um den Faktor zwei bis vier. Eine App muss auf zwei Plattformen getestet werden, durchläuft Store-Prüfungen, braucht ein Update-Konzept für Nutzer mit alten Versionen und erfordert fast immer eine eigene Server-Schnittstelle. Jeder dieser Punkte kostet Zeit, die bei einer Website entfällt.
Was kostet der laufende Betrieb einer App?
Rechnen Sie jährlich mit 15 bis 25 Prozent der ursprünglichen Entwicklungskosten. Bei einer App für 30.000 € sind das 4.500 € bis 7.500 € pro Jahr. Der Grund sind nicht neue Funktionen, sondern erzwungene Anpassungen: Apple und Google ändern jährlich ihre Anforderungen, und Apps, die sie nicht erfüllen, fliegen aus dem Store.
Kann ich mit einer App Geld verdienen?
Bei Apps für Endverbraucher ist das schwierig: Apple und Google behalten 15 bis 30 Prozent der Umsätze aus In-App-Käufen ein, und die Sichtbarkeit im Store ist ohne Marketingbudget gering. Wirtschaftlich erfolgreich sind meist Apps, die einen bestehenden Geschäftsprozess verbessern – etwa Bestellungen vereinfachen oder Arbeitszeit sparen.