WordPress oder Next.js? Ein Vergleich, der auch für WordPress ausgeht
Wir bauen mit Next.js und empfehlen trotzdem regelmäßig WordPress. Wann welches System die richtige Wahl ist – ohne die üblichen Halbwahrheiten.
Burak Kaya · Gründer und technischer Leiter
Veröffentlicht am · aktualisiert am
Kurz beantwortet
WordPress eignet sich für rein redaktionelle Websites mit häufigen Inhaltsänderungen und begrenztem Budget. Next.js ist die bessere Wahl, sobald eigene Fachlogik, Benutzerkonten, Schnittstellen oder hohe Geschwindigkeitsanforderungen hinzukommen. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Abhängigkeit von Erweiterungen Dritter.
Inhalt · 7 Abschnitte
Wir entwickeln mit Next.js. Trotzdem empfehlen wir in etwa jedem fünften Erstgespräch WordPress – und zwar nicht aus Höflichkeit, sondern weil es die wirtschaftlichere Antwort ist.
Dieser Vergleich versucht, ohne die üblichen Übertreibungen auszukommen.
Das Wichtigste in Kürze
- WordPress betreibt laut W3Techs rund 43 Prozent aller Websites weltweit und ist für redaktionelle Inhalte ausgereift.
- Über 90 Prozent der Sicherheitslücken in WordPress-Installationen stammen aus Erweiterungen, nicht aus dem Kern.
- Next.js liefert Seiten serverseitig gerendert aus und erreicht dadurch strukturell bessere Core Web Vitals als ein typisches WordPress-Theme mit Page-Builder.
- Die laufenden Kosten einer WordPress-Installation liegen durch Plugin-Lizenzen und Wartung oft höher als erwartet.
- Eine Kombination ist möglich: WordPress als Redaktionssystem im Hintergrund, Next.js für die Ausspielung.
Die ehrliche Kurzfassung#
WordPress nehmen, wenn: die Website im Kern Inhalte zeigt, mehrere Personen ohne technische Kenntnisse regelmäßig publizieren, das Budget unter 5.000 € liegt und keine eigene Fachlogik gebraucht wird.
Next.js nehmen, wenn: eigene Abläufe abgebildet werden, Benutzerkonten und Rechte nötig sind, Fremdsysteme angebunden werden, Geschwindigkeit geschäftskritisch ist oder die Seite über Jahre wachsen soll.
Wo WordPress wirklich stark ist#
Redaktionelle Arbeit#
Der Editor ist ausgereift, Vorschau, Versionen und Zeitsteuerung funktionieren. Wer viel publiziert und mehrere Redakteure hat, bekommt hier viel ohne eigene Entwicklung.
Verfügbarkeit von Dienstleistern#
WordPress betreibt rund 43 Prozent aller Websites. Sie finden überall jemanden, der damit arbeiten kann. Das ist ein echtes Argument gegen Abhängigkeit – vorausgesetzt, die Installation ist nicht zu individuell.
Niedrige Einstiegskosten#
Ein ordentliches Theme kostet 60 €, Hosting ab 5 € monatlich. Für ein kleines Unternehmen, das eine Visitenkarte im Netz braucht, ist das schwer zu schlagen.
Wo WordPress an Grenzen stößt#
Die Plugin-Abhängigkeit#
Eine typische Unternehmensinstallation nutzt 15 bis 30 Plugins. Jedes davon ist Code von jemandem, den Sie nicht kennen, mit unbekannter Sorgfalt und unbekannter Zukunft.
Das Risiko verteilt sich auf drei Ebenen: Sicherheit (über 90 Prozent der Lücken stammen aus Plugins), Geschwindigkeit (jedes Plugin lädt eigenes JavaScript und CSS, oft auf allen Seiten) und Wartbarkeit (ein Plugin wird eingestellt, das nächste ist inkompatibel).
Geschwindigkeit in der Praxis#
Ein schlankes WordPress kann schnell sein. Ein WordPress mit Page-Builder, Slider-Plugin, Formular-Plugin, Cookie-Plugin und SEO‑Plugin ist es praktisch nie.
Der Grund ist strukturell: Jedes Plugin lädt seine Ressourcen auf allen Seiten, weil es nicht wissen kann, wo es gebraucht wird. Das summiert sich auf 1 bis 2 MB, bevor irgendein Inhalt geladen wurde.
Eigene Fachlogik#
Sobald Sie etwas brauchen, das nicht als Plugin existiert, wird es unangenehm. Sie schreiben PHP innerhalb eines Systems, dessen Architektur aus dem Jahr 2003 stammt – mit globalen Zuständen und Hooks, die in undurchsichtiger Reihenfolge ausgeführt werden.
Das geht. Es macht nur keinen Spaß und wird teuer, sobald es über eine eigene Beitragsart hinausgeht.
Wo Next.js stark ist#
Geschwindigkeit#
Seiten werden serverseitig gerendert oder beim Bauen vorgerendert. Der Browser bekommt fertiges HTML. JavaScript wird nur für das geladen, was tatsächlich interaktiv ist.
In unseren Projekten erreichen wir regelmäßig LCP‑Werte unter einer Sekunde – mit Inhalten, Bildern und Redaktionssystem.
Kontrolle über den Auslieferungspfad#
Sie wissen genau, was ausgeliefert wird. Keine unerwarteten Anfragen an fremde Server, keine Schriften von Google, keine Skripte, die ein Plugin-Update mitbringt.
Das ist nicht nur ein Geschwindigkeits-, sondern auch ein Datenschutzargument – siehe unsere DSGVO-Checkliste.
Fachlogik ohne Umwege#
Benutzerkonten mit Rollen, Berechnungen, Schnittstellen zu ERP oder Warenwirtschaft: Das ist normale Anwendungsentwicklung in TypeScript, nicht das Umgehen eines Systems, das dafür nicht gedacht war.
Wartbarkeit über Jahre#
TypeScript prüft Typen beim Bauen. Wenn Sie ein Datenfeld umbenennen, sagt Ihnen der Compiler alle Stellen, an denen es verwendet wird. In PHP ohne strenge Typisierung finden Sie das im Produktivbetrieb.
Wo Next.js schwächer ist#
Das gehört zur Ehrlichkeit dazu:
- Redaktion muss mitgeliefert werden. Next.js bringt kein Redaktionssystem mit. Entweder wird eines gebaut (Aufwand) oder eines angebunden (laufende Kosten).
- Höhere Einstiegskosten. Unter 3.500 € ist kaum etwas Sinnvolles machbar.
- Kleinerer Anbietermarkt für Wartung, vor allem außerhalb der Großstädte.
- Schnellere Entwicklung des Ökosystems. Was heute empfohlen wird, ist in drei Jahren überholt. Bei WordPress ändert sich langsamer – was auch ein Vorteil sein kann.
Der dritte Weg: WordPress als Headless-CMS#
Die Redaktion arbeitet weiter in WordPress. Die Inhalte werden aber nicht von WordPress ausgespielt, sondern über eine Schnittstelle an ein Next.js-Frontend geliefert.
Vorteil: vertraute Redaktion, moderne Geschwindigkeit, keine Plugin-Skripte im Auslieferungspfad.
Nachteil: zwei Systeme zu betreiben, die Vorschaufunktion muss eigens gebaut werden, höhere Komplexität.
Sinnvoll bei größeren Redaktionen, die nicht umlernen sollen. Für ein Unternehmen mit zwei Personen, die gelegentlich einen Beitrag schreiben, ist es Überbau.
Eine ehrliche Entscheidungshilfe#
Beantworten Sie fünf Fragen mit Ja oder Nein:
- Brauchen Sie Benutzerkonten mit unterschiedlichen Rechten?
- Soll die Website mit einem anderen System Daten austauschen?
- Gibt es Berechnungen oder Abläufe, die es so nicht von der Stange gibt?
- Ist Ladezeit für Sie geschäftskritisch?
- Soll die Seite in fünf Jahren noch erweiterbar sein, ohne neu gebaut zu werden?
Null- bis einmal Ja: WordPress ist wahrscheinlich richtig. Nehmen Sie ein schlankes Theme, wenige Plugins und einen Wartungsvertrag.
Zweimal Ja: Grenzfall. Lassen Sie sich beide Varianten kalkulieren.
Dreimal oder öfter Ja: Next.js oder eine vergleichbare Lösung. WordPress wird Sie auf Dauer mehr kosten – nicht in der Anschaffung, sondern in jedem Jahr danach.
Über den Autor
Burak Kaya
Gründer und technischer Leiter
Entwickelt seit über zehn Jahren Webanwendungen und Unternehmenssoftware. Schwerpunkt: Systeme, die im Mittelstand tatsächlich benutzt werden.
- Next.js und React
- TypeScript
- PostgreSQL und Datenmodellierung
- ERP- und Schnittstellenanbindung
- Festpreiskalkulation
- Technisches SEO
Passende Leistung
Von der Unternehmensseite bis zum Kundenportal – gebaut mit Next.js, gehostet in Deutschland.
Einstieg, Festpreis netto
ab 3.900 €
Website · 3–5 Wochen
Häufige Fragen
Was Leser zu diesem Thema fragen
Die Fragen, die uns zu diesem Beitrag am häufigsten gestellt werden.
Ist WordPress unsicher?
Der WordPress-Kern ist gut gepflegt und wird schnell aktualisiert. Das Risiko liegt bei den Erweiterungen: Eine typische Installation nutzt 15 bis 30 Plugins von unterschiedlichen Entwicklern mit unterschiedlicher Sorgfalt. Über 90 Prozent der bekannten Sicherheitslücken stammen aus dieser Schicht. Mit wenigen, gut gewählten Plugins und regelmäßigen Updates ist WordPress sicher betreibbar.
Ist Next.js schneller als WordPress?
In der Praxis fast immer, strukturell aber nicht zwangsläufig. Ein schlankes WordPress-Theme mit gutem Caching kann sehr schnell sein. Der Unterschied entsteht in der Realität: WordPress-Seiten werden fast immer mit Page-Buildern und vielen Plugins gebaut, die JavaScript und CSS mitbringen. Next.js liefert nur aus, was Sie tatsächlich verwenden.
Kann ich mit Next.js selbst Inhalte pflegen?
Ja, wenn ein Redaktionssystem mitgeliefert wird – entweder ein eigenes wie auf dieser Website oder ein externes wie Sanity, Strapi oder Payload. Ohne Redaktionssystem ist jede Textänderung eine Codeänderung. Prüfen Sie im Angebot explizit, ob eines enthalten ist.
Was kostet der Wechsel von WordPress zu Next.js?
Eine Migration kostet typischerweise 60 bis 80 Prozent eines Neubaus, weil Inhalte übernommen und alle bisherigen Adressen weitergeleitet werden müssen. Der Weiterleitungsplan ist der kritische Teil: Fehlt er, verliert die Seite ihre Rankings – ein Schaden, der die Ersparnis bei Weitem übersteigt.